Grüne halbierte Tomaten in Großaufnahme

Bassena - unser Blog

Die Übergabeprofis: Wie das Loslassen gelingen kann Freitag 2017-06-23

In der letzten Folge unserer Übergabe-Serie spielte Vater Herbert die Hauptrolle. Der - ganz traditionell - Familienoberhaupt und Betriebsleiter in Personalunion ist. Oder war. Und bald eine neue Rolle einnehmen wird. Wie kann das gut gelingen?


Blaue Trauben in Arbeitshänden, die übergeben werden

DIE VERGANGENHEIT WERTSCHÄTZEN - DIE ZUKUNFT ZULASSEN
Herbert hat 30 Jahre seines Lebens ins Weingut investiert. Nicht nur Geld, sondern auch Wissen, Arbeitszeit und vor allem Herzblut. Zu wissen, dass seine Tochter nun »alles« anders machen möchte, macht ihm zu schaffen.

Immer wieder miteinander zu reden und die gegenseitigen Sichtweisen einzuholen, ist - wenig überraschend - eine wichtige Basis für jeden Übergabeprozess. An diesem Punkt jedoch gehört die Kommunikation wohl zum Allerwichtigsten. Und zwar von beiden Seiten. Wertschätzende Fragen können viel zum Verständnis des jeweils anderen und damit zum Loslassen auf der einen und zum Start ohne Belastungen auf der anderen Seite beitragen.

Johannas Beitrag

* Wann und wie wurde der Betrieb gegründet?
* Was waren deine/eure Motive für die Gründung/die Übernahme?
* Wie hast du/habt ihr die Anfangszeiten erlebt?
* Was war besonders anstrengend und weniger positiv?
* Was war besonders schön und worauf bist du/seid ihr besonders stolz?
* Damit du den Betrieb gut übergeben kannst, was wünschst du dir?

Außerdem ist es ungemein wichtig, dass Johanna ihrem Vater sagt, was sich NICHT alles ändern wird. Was gut läuft und sie (vorab) von der vorigen Generation übernehmen wird. Und welche Überlegungen und Motive hinter geplanten Veränderungen stehen. Auch hier geht's schlussendlich um Verständnis für »das andere«.

Herberts Beitrag
* Was sind deine ersten Erinnerungen ans Weingut?
* Welche Bedeutung hatte der Betrieb in deiner Kindheit?
* Was war/ist herausfordernd und schwierig für dich?
* Was war/ist besonders schön und positiv für dich?
* Worauf bist du besonders stolz?
* Was sind deine Motive für die Betriebsübernahme?
* Damit du den Betrieb gut übernehmen kannst, was wünschst du dir?

Gespräche, die auf Wertschätzung und Offenheit basieren, schaffen Nähe. Nähe erleichtert das gegenseitige Verständnis. Verständnis erleichtert das Loslassen.

DIE FINANZIELLE SEITE
Wenn das Thema Finanzen ein heikles ist, und das ist es in den meisten Fällen, gilt es, so früh wie möglich zu eruieren, wie die finanzielle Lage ganz konkret aussieht. Und zwar allumfassend: vom Wert der Gebäude und Weingärten, über die Weine auf Lager bis hin zu etwaigen Verbindlichkeiten. Und dann spielen natürlich Umsätze, Cash flow und Erträge eine gewichtige Rolle. Erst wenn alle Zahlen auf dem Tisch liegen, kann sinnvoll über die nächsten Schritte nachgedacht und diskutiert werden. Andernfalls drehen sich die Gespräche »in einer diffusen Wolke«, und das kann die Übergabe empfindlich beeinträchtigen. Ein unabhängiger Experte kann hier aus unserer Sicht und Erfahrung eine große Unterstützung sein.

Beide Seiten brauchen die Gewissheit und Sicherheit, dass die finanzielle Lage für die Zeit nach der Übergabe vorab geklärt ist. Und zwar derart, dass sie den jeweils neuen Lebensabschnitt beruhigt angehen können.

=> Herbert braucht darüberhinaus eine positive und anziehende Aussicht für »die Zeit danach«. Was er dazu beitragen kann, erfahren Sie im nächsten Beitrag.
=> Hier alle Übergabe-Beiträge gesammelt.

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Die Übergabeprofis - die Rolle des Vaters & Übergebers Sonntag 2017-06-04

Wie im echten Leben kommt auch hier manchmal der Prozess zum Stocken. Weil andere Dinge gerade virulenter sind. Jetzt geht's weiter!

Wir kommen zu den konkreten Personen und beginnen mit Vater HERBERT, bislang an oberster Stelle:

Blaue Trauben in Arbeitshänden, die übergeben werden

* als Oberhaupt im System Familie, wie so oft noch in bäuerlicher Umgebung
* als Betriebsleiter im System Weingut, wo er über 30 Jahre lang das Sagen hatte.

1. HERBERT ALS FAMILIENOBERHAUPT
Nach außen tritt Herbert als der Boss auf, das ist ihm wichtig. Im Hintergrund hält allerdings seine Frau Angela die Fäden fest in der Hand. Sie gibt den Ton in Haus und Garten an, bestimmt, wo der Urlaub verbracht wird und was auf den Tisch kommt. In finanzielle Entscheidungen lässt Herbert sich aber nicht reinreden, das bleibt für ihn Männersache. Seine Tochter, die immer zu ihrem Vater aufgeblickt hat, wird nun die Weingutsleiterin. Wie wird sich das auf das familiäre Gefüge auswirken?

2. HERBERT ALS BISHERIGER BETRIEBSLEITER
30 Jahre lang hat Herbert jeden Tag ohne Unterbrechung für das Weingut gearbeitet. Er hat  von gemischter Landwirtschaft auf reine Weinwirtschaft umgestellt. Er hat Flächen eingetauscht und neu ausgepflanzt, in den Weinkeller investiert und den Vertrieb aufgebaut. Abgefüllt hat er hauptsächlich in Doppler, manches wurde im Fass verkauft, weniges in der Bouteille. Angela hat sich um die Buchhaltung gekümmert und Herbert beim Abhof-Verkauf unterstützt. Das weinmacherische Know How lag ausschließlich bei ihm.

3. PLÖTZLICH WIRD ALLES ANDERS
Nun heißt es, abzugeben.
Herbert muss sein Lebenswerk in die Hände seiner Tochter Johanna und die ihres Mannes Peter legen. Was enorm schwierig ist, weil er damit auch seinen Lebensinhalt verliert. Und weil die jüngere Generation – Johanna ist ja die neue Chefin – plötzlich alles anders machen möchte und wenig wertschätzt, was er über die Jahre mühevoll aufgebaut hat:

Fass- und Dopplerware sind zukünftig tabu. Geplant sind neue Etiketten und eine neue Website, hohe Investitionen in die Kellertechnik. Herbert verbringt plötzlich schlaflose Nächte und fühlt sich und das, was er geschaffen hat, plötzlich wertlos. Sein innerlicher Gram und Zorn werden von Tag zu Tag größer. »Die werden schon noch sehen, wohin das alles führt.« Ein Dilemma!

=> Herberts zukünftige Rolle
Wenn er den Schlüssel übergibt, muss er das mit allen Konsequenzen tun. Er muss sich mit seinen Ratschlägen zurückhalten und sämtliche Entscheidungen den Übernehmenden überlassen. Herbert soll aber weiterhin im Weingarten arbeiten und sich um den Fuhrpark kümmern.

=> Wie das alles – konfliktfrei und auch finanziell – aussehen kann, erfahren Sie im nächsten Beitrag.
=> Hier alle Übergabe-Beiträge gesammelt.

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Die Übergabeprofis: sich der Rollen bewusst werden und sie klar definieren Dienstag 2017-05-02
Irgendwie klingt es ja paradox: Da soll etwas definiert werden, das seit Jahren – mehr oder weniger gut – läuft. Etwas, das implizit sowieso entsteht. In jedem System, sei es eine Familie, ein Unternehmen oder eine andere Art von Team. Die Rede ist von den ROLLEN.
Blaue Trauben in Arbeitshänden, die übergeben werden

Jeder und jede von uns hat nicht nur eine, sondern mehrere Rollen im Leben inne. In einem Familienunternehmen überschneiden sich die privaten und beruflichen, und das macht häufig alles ein bisschen komplexer als sonst. Warum lohnt es sich nun, sich diese Rollen gerade im Zuge einer Betriebsübergabe näher anzusehen? Weil sowohl die Übergeber als auch die Übernehmer nach dem Übergabeprozess neue beruflichen Rollen einnehmen. Und dieser Wechsel wirkt sich auch auf die privaten aus.

Wenn das traditionelle Familienoberhaupt, in unserem Fall Vater Herbert, auch im Betrieb das Sagen hat, ist die Rollenverteilung relativ klar. Da wie dort gibt jemand den Ton an. Ob das gut oder schlecht ist, ob sich die anderen damit wohlfühlen oder nicht, ist davon unbenommen. Fakt ist, dass der Inhaber die beiden Rollen im Normalfall ohne innere Widersprüche einnimmt. Und auch für die anderen ist klar, wer in letzter Konsequenz die Entscheidungen trifft und das Ruder in der Hand hat. In unserem Szenario zieht Herberts Frau Angela in der Familie zwar die Fäden im Hintergrund, nach außen steht aber Herbert an der Spitze. Eine interne Übereinkunft der Eheleute, die sich jahrelang eingespielt hat.

Mit der Betriebsübergabe gibt Herbert nun die Führung des Weinguts ab. Im Idealfall bewusst und mit allen Konsequenzen. Im Familiensystem ändert sich de facto nichts, im Familienunternehmen jedoch sehr wohl.

Und hier liegt eine GROSSE CHANCE: Wenn die Familienmitglieder es schaffen, über diese Rollenwechsel offen zu sprechen, einander zu fragen, wie es dem jeweils anderen damit geht und was er sich für die Zukunft wünscht, legen sie damit einen Grundstein für ein konstruktives Miteinander. Etwaige Sorgen und Ängste kommen so auf den Tisch und können gemeinsam besprochen werden. Ein gemeinsames Zukunftsbild schafft Klarheit und stärkt das gegenseitige Vertrauen.

Ein Tipp für die PRAXIS: Schreiben Sie die unterschiedlichen Rollen jeweils auf einen Zettel oder eine Karte und legen Sie sie am Boden oder Tisch auf. Der »Blick von oben« bringt neue Perspektiven, Themen wie Rollenkonflikte, -überschneidungen oder -unklarheiten können so leichter besprochen werden.

Ein großer Schritt ist getan, wenn allen Beteiligten klar ist, wie wichtig eindeutige Rollen – und damit im besten Fall auch Aufgaben – für ein harmonisches Miteinander und den Unternehmenserfolg sind. Die bewusste Trennung der familiären und beruflichen Rollen kommt dabei besondere Bedeutung zu. Und das nicht nur im Zuge einer Weingutsübergabe. Uns ist völlig klar, dass es nicht möglich ist, sich im Alltag ständig theoretisch mit dem Thema zu befassen. Wenn es den Beteiligten jedoch gelingt, sich immer wieder einmal der eigenen unterschiedlichen Rollen bewusst zu werden und zu überprüfen, ob das eigene Verhalten der jeweiligen Rolle entspricht, ist viel gewonnen. Denn damit rücken auch die Rollen der anderen regelmäßig in den eigenen Fokus. Gegenseitige Rücksichtnahme und der Respekt für das Tun der anderen werden so Zug um Zug selbstverständlich und erleichtern die Zusammenarbeit und nicht zuletzt das Zusammenleben.

=> Demnächst lesen Sie, wie es in unserem Übergabeprozess weitergeht.
=> Hier alle Übergabe-Beiträge gesammelt.

www.uebergabeprofis.at
Die Übergabeprofis - die ROLLEN Mittwoch 2017-04-26
Nennen wir sie ANGELA & HERBERT: die Eltern. JOHANNA & PETER: die Tochter und der Schwiegersohn. Wie wir gesehen haben, tun sich die Eltern eher schwer damit, dass jetzt Leute von außen »einfach daher kommen«, um bei der Übergabe zu helfen. Sie hätten schon gewusst, was sie zu tun haben. Blaue Trauben in Arbeitshänden, die übergeben werden

Johanna und Peter ihrerseits wissen, dass die Pläne der Eltern für sie so nicht passen. Dass sie um ihre Zukunft streiten müssten. Weshalb nun wir mit an Bord sind. Die Eltern wollen sich das – zögerlich und skeptisch – nun aber gerne einmal anschauen.

Wir klären nun die ROLLEN: die in der Familie, die im Weingut. Wie sie jetzt sind und wie sie sein sollen. Auf einen ersten noch etwas oberflächlichen Blick sieht es zur Zeit so aus:

SYSTEM FAMILIE: Herbert ist nach außen das Oberhaupt. Klassisch, traditionell. Angela aber zieht im Hintergrund die Fäden und sagt in Wirklichkeit, wo’s langgeht. Johanna ist das einzige Kind, auch für sie hat der Vater das Sagen. Peter fühlt sich von den Schwiegereltern nicht angenommen.

SYSTEM WEINGUT: Herbert hat bisher das Weingut alleine geführt. Angela hat sich um Buchhaltung und Büro gekümmert. Sie ist eher nicht in Erscheinung getreten. Herbert hätte sich lieber einen Sohn als Winzer gewünscht, nun muss er seiner Tochter das Weingut übergeben. Von seinem Schwiegersohn Peter, einem Quereinsteiger am Weingut, hält er grundsätzlich nicht viel. Herbert hält die Zügel fest in der Hand, weil er den Jungen die Aufgabe nicht wirklich zutraut. Angela hört Gott ergeben auf ihren Mann. Johanna und Peter müssten längst ans Ruder, wissen aber nicht wie. Ob der Vater sie je lässt?

Wir müssen die Rollen als nächstes eingehender ansehen und sie für beide Systeme klar definieren.

=> Wie wir das tun, folgt hier demnächst.
=> Hier alle Übergabe-Beiträge gesammelt.

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Die Übergabeprofis: Wir reden mit den Eltern Mittwoch 2017-04-19

Nun gut, der erste Termin mit den Eltern, die nicht wirklich davon überzeugt sind, dass »darüber reden« etwas bringt, steht an.

Teil 4: Wie läuft dieses – durchaus kritische – Gespräch also ab?

Blaue Trauben in Arbeitshänden, die übergeben werden

Egal in welches Gespräch man mit wem hineingeht, davor gilt es, die eigene innere Haltung zu hinterfragen. Sich selbst gegenüber ehrlich zu sein und für sich zu klären, welche Ziele man erreichen möchte. Für uns als Beraterinnen geht es um Respekt vor den Meinungen aller, Unvoreingenommenheit, Allparteilichkeit und neutrale Sichtweisen so gut es geht. Unser Ziel ist es, eine gute und tragfähige Gesprächsbasis für den gesamten Übergabeprozess zu schaffen.

Für die direkt Betroffenen, sprich Eltern, Kinder oder sonstige Involvierte, ist das natürlich ungleich schwieriger. Und trotzdem sollten auch für sie Respekt, Wertschätzung und eine gelungene Übergabe als gemeinsames Ziel im Vordergrund stehen.

In unserem Praxisfall geht es beim ersten Gespräch wie schon erwähnt ganz klar um Vertrauensaufbau. Das heißt: die Eltern erst einmal reden lassen. Um Dampf abzulassen, alles auf den Tisch zu legen, die Meinung sagen zu können ohne sofortigen Widerstand und nicht zuletzt jemanden gegenüber zu haben, der aufmerksam und interessiert zuhört. Und Fragen stellt. Klingt vielleicht komisch, aber oft nicht mehr selbstverständlich: Mit jemandem sprechen, der wirklich konzentriert und mit ungeteilter Aufmerksamkeit zuhört und mit ehrlichem Interesse Fragen stellt.

Sobald klar ist, dass wir die Sorgen und Ängste der Eltern ernst nehmen, eine neutrale Haltung haben und auf dem Weg zum Ziel – der gelungenen Übergabe für alle – unterstützen möchten, wird offene und ehrliche Kommunikation möglich.

Hier im Überblick hilfreiche Voraussetzungen für gelungene Gespräche ganz allgemein:

* eine wertschätzende, respektvolle und vorurteilsfreie innere Haltung
* ehrliches Interesse am Gegenüber
* aufmerksam und interessiert zuhören
* nicht interpretieren und bewerten, sondern zuhören und hinterfragen: »fragen statt sagen«
* andere Meinungen und Sichtweisen akzeptieren (was nicht heißt, dass man mit diesen auch einverstanden ist)
* das gemeinsame Ziel des Gesprächs immer im Auge behalten

Wer diese Punkte berücksichtigt und sich bewusst macht, legt einen wichtigen Grundstein für gute Gespräche.

=> Demnächst geht's weiter!

www.uebergabeprofis.at
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