Ein Weingarten im Frühling

Bassena - unser Blog

Alzheimer wegessen. Dienstag 2012-01-03
Im Grunde ist es nur logisch. Aber schwarz auf weiß ist es dann doch immer noch ein wenig plausibler. Du bist, was du isst. Auch im Ober- stübchen. Ernährst du dich ein Leben lang von Matsch, wird auch deine Birne matschig. Sprichwörtlich. In Wirklichkeit wird sie nämlich hart und kriegt Löcher. Erinnerungslöcher.
Grafik eines Kopfes aus Zahnrädern

Isst man aber was G'scheits, hält das die Hirnzellen in Schwung und die Rädchen geschmiert.  Bestätigt wird das jetzt durch eine entsprechende vom Fachblatt Neuroloy publizierte Studie, in der aufgezeigt wird, dass Leute mit viel Vitamin C, D, E und B sowie Omega-3-Fettsäuren im Blut bei Gedächtnistests und Denkaufgaben deutlich besser abschneiden. Die Studie wurde an 108 im Schnitt 87 Jahre alten Personen durchgeführt. Hirnscans bestätigten die Ergebnisse. Weitere umfassende Tests in diese Richtung sollen folgen.

Na, bitte. Wär ja schon was. An irgendeiner anderen Stelle stand nämlich zu lesen, dass Gedächtnistrainings nicht wirklich gegen Alzheimer helfen und wir ruhigen Gewissens vor der Kiste verblöden dürfen. Wir müssen nach neuestem Stand also nur das Junkfood weglassen, was wir ja ohnedies tun, und mehr Grünes zu uns nehmen. Die Frage  ist halt, ob wir uns überhaupt an alles erinnern wollen. Möglicherweise ist so ein kleiner Alzheimer für manche ein echter Segen ...

Quelle: tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 31. 12. 2011 - 1. 1. 2012
Abstract: Neurology
syl

Die gute Meldung zum Jahresende Donnerstag 2011-12-29

Eine Schlagzeile wie sie im Buche steht. »Wein: Exporte übertreffen Erwartungen – erneut Umsatzrekord. Österreichs Winzer erreichen höchsten je erzielten Durchschnittspreis. Billiger Fassweinexport weiter rückläufig.« Eine Triple-Schlagzeile gar.

Weinflaschen von oben - Foto von Bernhard Schramm
© ÖWM - Bernhard Schramm

Die Informationen, brandaktuell gestern von der Österreich Wein Marketing versendet, im Detail. Obwohl 2009 und 2010 mengenmäßig zu wünschen übrig ließen, wurde 2011 Wein im Wert von € 126 Mio. exportiert. Das waren 2,6 % mehr als 2010. Und das obwohl um 25 % weniger an Menge, in Summe 46,5 Mio. Liter, das Land verließen. Soll heißen, die Weine, die exportiert wurden, hatten höhere Preise. Der Durchschnittspreis lag bei € 2,71 pro Liter. Rechnet man die Fassweinexporte raus (7,5 Mio. Liter, das sind -57 % bzw. € 8,5 Mio. und -25 % im Vergleich), dann steigt der Durchschnittspreis pro Flasche auf über € 3 pro Liter.

Willi Klinger ist stolz auf die »hervorragende Arbeit unserer Winzer«. Und peilt ganz forsch einen langfristigen Weinexportgipfel von € 200 Mio. an. Mehr dazu in einem Jahr.

Quelle: Österreich Wein Marketing

Ruth
Eine Liebeserklärung. Herbert Zillinger. Dienstag 2011-12-20

Keine Sorge, wir möchten dem Herrn nicht zu nahe treten. Carmens Veto käme stante pede. Die Liebes- erklärung kommt von anderer Stelle, nachzulesen bei Dirk Würtz. Verfallen ist dem feschen Wein- viertler Herbert Zillinger und seinen Weinen nämlich Würtz-Autor Clemens Mally. Die Grünen Veltliner

Herbert Zillinger vorm Keller

haben es ihm im besonderen angetan und hier ganz speziell der Radikal 2009 (2010 kommt im Jänner auf den Markt) und der Weintalried 2010. Es geht um Veltliner ohne Sauvignon-Blanc-Aromen und solche, die lange auf der Hefe liegen. Um Weine mit Würze und Druck am Gaumen und mit Eleganz und Kraft im allgemeinen. So wie die Weine, auf die Winzer Herbert Zillinger steht. Weshalb er sie auch so macht. Mehr dazu bei Würtz.

Was dort ebenfalls gelesen werden sollte, sind die Kommentare zum Blogeintrag. Manche überflüssiges Hickhack, interessant und lehrreich ist aber die Diskussion zum Thema Mostoxidation, Hefe und Schwefel.

Weiters bei Würtz: Der Blog ist in nächster Zeit seinen Geisenheim-Studenten überlassen. Unzensurierte Beiträge und ab Jänner auch Videos. Kommentare und konstruktive Kritik ausdrücklich erwünscht.

www.wuertz-wein.de
www.zillingerwein.at
syl
Noch ein bewusster Genuss. Pure Living. Montag 2011-12-19
Der Christkindlmarkt in Schönbrunn war eigentlich immer recht okay. Die Atmosphäre vor dem Schloss schön, die Standln inhaltlich kalkulierbar und immer wieder auch solche mit Blechspielzeug und nicht so super perfektem Handwerkszeug. Ein Ausflug dahin war immer Teil des Advents. Das hat sich jetzt.
Eine Tasse Tee in der Pure Living Bakery

Wer auch immer den Anfang damit gemacht hat, er oder sie fand rege Nachfolger: Aus jedem zweiten Standl tönen grässliche Weihnachtslieder, das Gemisch sticht unbarmherzig in die Ohren der Besucher. Bass hier, Gesang da, Glöckchen dort. Grässlich ist der Markt geworden.

Aber zum Glück gibt es seit ein paar Jahren die »Pure Living Bakery«, Refugium für alle auf der Flucht. Ein Coffeeshop mit Blümchen, Pastell, bequemen Sofas. Der erste Eindruck ist »wie mitten in London«, auf der Website steht »wie in Californien«. Egal, angelsächsisch halt im weitesten Sinn, und in der Altgasse mitten in Hietzing. Da wo's sonst nur bürgerlich staubt und man nie weiß, wohin man soll.

Sobald man beim Eintreten die Tür hinter sich geschlossen hat, hat man mit der Welt draußen nichts mehr zu tun. Musik- und rauschfrei, homemade Cakes, Crumbles, Pies, Cookies, pikante Bagels und Sandwiches. Säfte, Tees, fairtrade Kaffees, Lattes, Shakes und heiße Schokoladen in allen Varianten rauf und runter. Internationale Zeitschriften (Brandeins) und Tratschblätter. Zurücklehnen und genießen. Alles gut, saftig, fruchtig, g'schmackig. Die pastelligen Accessoires der Bakery kann man auch erwerben: Möbelknöpfe, Schilder und dekoratives Zeugs. Alles in allem ein Lokal zum Runterkommen.

Und so nebenbei bemerkt das perfekte Stanglerlokal, aber das wissen die Lehrer in der Zwischenzeit wahrscheinlich auch.

www.purelivingbakery.com
syl
Der bewusste Genuss. Ein kleines Plädoyer. Sonntag 2011-12-18

Irgendwie erlebe ich gerade ein denkwürdiges Wochenende. Man könnte auch sagen, ein besinnliches. Und das hat rein gar nichts damit zu tun, dass heute zufällig vierter Adventsonntag ist.

Begonnen hat das Denk-würdige gestern mit der Lektüre des Wochenend-Standards. 

Ein Gänseblümchen

Das Schwerpunkt-Thema Patchwork zieht sich durch die gesamte Ausgabe und wird von verschiedenen Seiten beleuchtet. Und bringt mich zum Nachdenken. Nicht zuletzt  aufgrund von persönlicher Betroffenheit.

Dann erfahre ich, dass eine entfernte Bekannte mit 48 Jahren an Krebs gestorben ist. Ein Thema, das leider immer öfter »irgendwo« auftaucht. Mir fällt ein Lied von Marius Müller-Westernhagen ein: Lass uns leben. Statt mir zu Mittag ein Brot zu streichen, wie ich es öfter tue, wenn ich alleine bin und »es schnell gehen soll« (keine Ahnung, warum eigentlich), koch ich mir was Besonderes und genieße es mit einem Glas Wein. Mit einem Wein, den ich besonders gern mag. Und schmöker weiter im Standard.

Später am Nachmittag fällt mir ein, dass ich schon seit Wochen das neue Fernsehprogramm ORF III einstellen möchte. Ich suche und finde es also, es läuft eine Dokumentation zum Thema »Glück«. Ein Mann (Soziologe, Psychologe?) kommt zu Wort, der meint, der Begriff Glück komme von »gelingen«. Das impliziert, dass wer glücklich sein möchte, selbst dafür (mit-)verantwortlich ist. Seinen Teil dazu beitragen kann/muss. Ein anderer lässt seine depressiven Patienten unter strenger Aufsicht Glückstagebücher führen. Nicht weil er zynisch ist, sondern um ihre Aufmerksamkeit darauf zu lenken, was positiv ist im Alltag. Eine Psychologin plädiert, im Hier und im Jetzt zu leben. Statt dem nachzuhängen, was einmal war oder sich vorzustellen, wie gut und wunderbar alles in Zukunft wird. Am Abend führe ich ein langes Telefonat mit einer Freundin, die sich - so finde ich - über lauter Nichtigkeiten beschwert und über dies und das jammert. Vielleicht bin ich aber auch nur übersensibel. Ich leg auf und genieße mit den Kindern eine Südpol-Doku.

Nach ausführlichen und intensiven 90 Minuten auf der Yogamatte heute am Vormittag gönne ich mir statt einer effizienten Dusche ein einlullendes Vollbad. Frühstücke danach gegen Mittag mit einem Buch. Als Draufgabe mache ich, nachdem die Sonne rauskommt, einen ausführlichen Spaziergang. Und merke, wie gut mir das alles tut.

Schon klar, das Wochenende ist unter anderem deshalb so gut, weil alle Weihnachtsgeschenke besorgt sind, der Haushalt ignoriert wird und ich einfach Zeit für mich habe. Umgekehrt ist es trotzdem gut, obwohl sonst im Moment nicht alles gerade easy ist. Kurz und gut, hoffentlich kommt das ohne Kitsch und Pathos rüber, lasst uns öfter bewusst genießen und uns etwas Gutes tun. Wir haben es uns verdient.

PS: Ich hab keinen Tropfen Punsch oder sonstigen gefühlsdudelig machenden Alkohol in mir und hör auch keine Weihnachtsmusik! 

Ruth

Gefällt-Bemühungen

Ruth  19.12.2011 15:59

Wir sind schon länger dran, dass hier so ummodeln zu lassen, damit ich hier "Gefällt mir" möglich ist. Gut Ding braucht Weile, aber wir sind guter Dinge ;-).

Der bewusste Genuss

joachim egger  19.12.2011 14:58

gefällt mich, auch wenn man das hier nicht anklicken kann ;-)

leider lassen wir uns viel zu oft, viel zu tief und immer wieder da rein treiben.

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