Ein Weingarten im Frühling

Bassena - unser Blog

Bitterstoffe Samstag 2013-12-21

Sie sollten neben diesem Posting auch das vorangegangene in der »Bassena« lesen. Denn in beiden wird in dieselbe Kerbe, die Sortenvielfalt, geschlagen. Thema ist die Rettung alter Obst- und Gemüsesorten. Die man aus vielerlei Gründen bewahren und neu kultivieren muss.

drei innen dunkelrote Maiskolben

Geschmack ist dabei nur ein Aspekt. Food-Lieblingsautor Christian Seiler ist noch einem anderen Aspekt nachgegangen, dem gesundheitlichen. Denn ursprüngliches, unverfälschtes Obst und Gemüse ist nachweislich besser für das Wohlbefinden.

Er bezieht sich in seinem Artikel in der Süddeutschen auf »Eating on the Wild Side«, ein Buch der Amerikanerin Jo Robinson. Robinson beschreibt, wie und warum von der Industrie das Gesunde aus Obst und Gemüse weggezüchtet wurde: Weil die Sorten monopolisiert und dabei immer heller, schöner, größer und süßer wurden, wurden sie gleichzeitig verwässert und eben immer weniger gesund.

Denn vor allem süßer bedeutet mehr Zucker und weniger Bitterstoffe. Bitterstoffe wie etwa Phytonährstoffe entfernen metabolische Ausscheidungsprodukte und Gifte aus dem Körper, regen die Durchblutung an und unterstützen Leber und Nieren. Was mehr Zucker bedeutet, weiß inzwischen wohl jeder/jede Interessierte. Heller bedeutet weniger Anthocyane. Farbstoffe, denen krebshemmende Wirkung zugeschrieben wird und die in dunkel gefärbten Gemüsen und Obstsorten um ein Vielfaches konzentrierter vorkommen als in lichten.

Also mehr vom Gesunden in violetten Erdäpfeln als in hellgelben, in Löwenzahl als in Spinat, in alten Apfelsorten als im faden Golden Delicious. Das alte Sprichwort »An apple a day keeps the doctor away« trifft nur noch bedingt zu.

Speziell beim Mais hat dies weitreichende gesellschaftliche Bedeutung. Die ursprünglichen bunten Sorten - rot, gelb, blau, olivgrün bis hin zu schwarz - sind vom Markt verschwunden. Es dominieren weißliche süße Sorten mit einem Zucker-Anteil von bis zu 40 %, und in den USA, wo Mais in nahezu allen Lebensmitteln enthalten ist (nachzulesen auch in Michael Pollans »Das Omnivoren-Dilemma«), hat das einen massiven Impakt auf die Volksgesundheit.

Aber was red ich, lesen Sie einfach Christians Artikel und unterzeichnen Sie vor allem die ONLINE-PETITION gegen die geplante EU-Saatgutverordnung.

z-magazin.sueddeutsche.de
syl
Streitbare Top-Köche gegen eine vertrottelte EU-Verordnung Freitag 2013-12-20
In Brüssel werden wieder einmal kluge Köpfe zusammengesteckt. Die EU-Richtlinien für die Vermarktung von Saat- und Pflanzgut werden überarbeitet. Aber nicht, wie man meinen sollten, zum Besseren, zur Förderung kleinstrukturierter Betriebe, zur Bewahrung alter Kultur- und Nutzpflanzen.

Heinz Reitbauer

Nein. Wie so oft, wenn dort die Köpfe zusammengesteckt werden, stützt man die Industrien, verschiebt Grenzwerte nach oben und geht mit den Lobbyisten einen heben. Auf der Website der Arche Noah, die für die Bewahrung alten Saatguts steht, kann man nachlesen, was auf uns und unsere Kinder zukommt:

»Die neuen Regelungen bedrohen seltene und bäuerliche Sorten. Alte Sorten sind besonders gefährdet, da der freie Tausch von Saatgut, Knollen und Edelreisern durch die neue Gesetzeslage unter Strafe gestellt werden könnte. Das schadet Kleinbauern, regionalen Erzeugern, KonsumentInnen und der Vielfalt.

Labor-Saatgut statt nachbaufähige Sorten?
Der Saatgut- und Pflanzguttausch hat Tradition. Doch damit könnte es bald vorbei sein. Um weitergegeben werden zu dürfen, müssen alle Pflanzen erst als Sorte zugelassen werden und dafür teure und aufwändige amtliche Tests bestehen. Diese Test orientieren sich an Industriesorten und sind für weniger hochgezüchtete Sorten nicht zu schaffen. Die Ausnahmeregelungen für alte Sorten im Entwurf der neuen Verordnung bleiben restriktiv und zum Schutz der Sortenvielfalt unzureichend. Durch die neue Verordnung wären somit die bäuerlichen Abhängigkeiten von der Saatgutindustrie weiter zementiert. Die biologische Vielfalt unserer Natur und der Markt für biologische Lebensmittel wären nachhaltig beschädigt.«
ES IST SO UNGLAUBLICH KRANK! So krank, dass sich Österreichs Spitzenköche im Rahmen des ersten Koch-Campus zusammengetan haben und gegen diesen Wahnsinn auftreten. Federführend ist Steirereck-Chef Heinz Reitbauer, er hat einen offenen Brief an die Kollegenschaft in Europa verfasst.

Der Brief im Wortlaut:

»Lieber …….

Ich schreibe Dir diese Zeilen, um Dir eine Herzensangelegenheit meinerseits und von vielen österreichischen Kollegen zu übermitteln.

Wie Du wahrscheinlich schon weisst, wird im nächsten Jahr im EU-Parlament über die neue EU-Saatgutverordnung abgestimmt. Sie stellt – unserer Meinung nach – eine große Gefahr für die regionalen Identitäten der europäischen Küchen dar!

Denn diese Verordnung wird künftig massiv beeinflussen, welche Nutzpflanzen angebaut werden können. In ihrer aktuellen Form bedroht die Verordnung besonders die Zucht und den Vertrieb des Saatguts von seltenen und alten Nutzpflanzen (Gemüse, Obst, Beeren, Getreide, etc.). In Österreich werden diese meist von kleinen Bauern und spezialisierten Gärtnereien angebaut. Auch aus diesem Grund stellen sie einen wichtigen Teil der kulinarischen Kultur und Vielfalt dar.

Die neue Saatgutverordnung sieht eine verpflichtende Registrierung jeder einzelnen Sorte vor. Das verursacht vor allem für kleine Produzenten einen hohen administrativen und finanziellen Aufwand. Die geplanten Ausnahmen in der Verordnung sind leider bei weitem nicht ausreichend, um die Gefahr für die Biodiversität Europas abzuwenden.

Es soll den Produzenten dann sogar verboten werden, den Samen von nicht registrierten Sorten ohne bürokratische Auflagen an andere Produzenten weiterzugeben. Die daraus resultierenden Konsequenzen für die Zukunft der Lebensmittelproduktion in Europa wie auch für die regionale Gastronomie sind noch gar nicht abschätzbar.

Die österreichische Umweltorganisation „Global 2000“ und die Gesellschaft für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt „Arche Noah“ haben gemeinsam die Petition „Freiheit für die Vielfalt“ gestartet, welche in Österreich bereits fast 300.000 Menschen unterzeichnet haben. Auch auf Grund dieser Bewegung wurde dem österreichischen Landwirtschaftsminister der Auftrag durch den Nationalrat erteilt, sich in Brüssel für die Vielfalt einzusetzen.

Die österreichischen Köche haben bei einem „Koch.Campus“ (www.kochcampus.at) gemeinsam beschlossen, sich auch für die Raritäten der Natur und deren Verwendung einzusetzen. In einem Manifesto für die Vielfalt werden die Köche und Gastronomen die eigene mediale Präsenz nutzen, um dieses so wichtige Thema in der Öffentlichkeit immer wieder auf den „Tisch“ zu bringen.

Wir protestieren gegen diesen Verordnungsentwurf und fordern unsere Politiker auf, zusammen mit den Bürgern – ob Bauer, Gärtner, Wissenschaftler, Unternehmer, Sortenerhalter, Saatgutvermehrer oder Köche – den Umgang mit der Grundlage von Ernährung, Geschmack und Gesundheit, zum Vorteil unserer und der nächsten Generationen vielfaltsorientiert und unabhängig von der Saatgut-Lobby in Brüssel zu gestalten.

Als Köche mit medialem Zugang haben wir eine gemeinsame Verantwortung uns für die Erhaltung dieser Vielfalt aktiv einzusetzen und mit einem gemeinsamen Schulterschluss ein öffentliches Licht auf diesen Angriff unserer Menschenrechte zu lenken.

Wir Köche wissen, wie abhängig wir von einzigartigen Produkten und Geschmäckern sind und es drängt die Zeit. Im April 2014 soll dieser Verordnungsentwurf im Europäischen Parlament zur Abstimmung gebracht werden. Aus den momentan bestehenden 12 EU-Richtlinien wird nun eine EU-Verordnung. Dies bedeutet auch, dass es bei der Umsetzung keine nationalen Spielräume mehr geben wird.

Mit der Bitte um Nachsicht für die polarisierenden Worte und in der Hoffnung, eine länderübergreifende europäische „Pro Vielfalt Bewegung“ gemeinsam zu starten, verbleibe ich mit liebsten Grüssen für Dich und Deine Familie

Heinz Reitbauer & das Team des Steirereck im Stadtpark«

Auch wir können aufstehen und uns wehren. Hier der Link zur PETITION von Global 2000 und hier zur Website von Arche Noah, wo noch andere Möglichkeiten aufgezeigt werden, um aktiv zu werden.

Danke, dass Sie auch unterzeichnen!

Foto: Wolfgang Schedelberger/Madrid Fusion 2013
syl 

Obsthändler Didi Donnerstag 2013-12-19

Leidenschaft, Kernkompetenz, Synergieeffekte, und natürlich alles immer zeitgemäß, lösungsorientiert und ganzheitlich - wer kennt sie nicht, die Werbe-Worthülsen aus dem Business-Vokabular.

Obsthändler Didi im Interview

Ergänzt man sie mit ansprechenden Bilder gefilmt von Kameradrohnen und -kränen und unterlegt das Ganze mit angenehmer Musik, hat man am Ende einen Imagefilm.
Normalerweise bedarf es für solche Produktionen ein Budget um die 50.000 Euro - Didi musste diese aber wohl eher nicht auf den Tisch legen. Bananen-Didi, eigentlich Dieter Schweiger, steht täglich an seinem Obststand bei der Münchner Universität. CEO eines traditionsreichen Familienunternehmens, quasi. Um die Austauschbarkeit der Inhalte von Imagefilmen für Weltkonzerne zu demonstrieren, hat Dieter Schels von al Dente Entertainment nun einen solchen für den Obsthändler produziert. Und dessen Firma verdient übrigens eigentlich ihr Geld mit - genau - Imagefilmen für Weltkonzerne.

Zum Film auf Youtube geht's hier oder übers Bild
anna
The Candy Man ist zurück in Wien! Sonntag 2013-12-15
Vor kurzem erst haben wir mit Wien-Total-Auskenner Johannes Roller vom Hotel Kugel (Prädikat »schräg«) darüber gesprochen, dass es in Wien keine Zuckerl-Manufaktur mehr gibt. Sehr schade! Denn Zuckerlmachen-Zuschauen ist wie Weihnachten und lässt nicht nur Kinderaugen glänzen.
Es entstehen rotweißrote Zuckerl

Man sieht dabei Dinge, von denen man nicht versteht, wie sie funktionieren. Schauen Sie sich den Film von Sømods Bolcher in Kopenhagen an (auf der Seite links unten), es ist phantastisch! Wenn man vor Ort ist, sind die Eindrücke durch die Gerüche und Geräusche natürlich noch viel viel intensiver. Man will sofort von der glänzenden Masse kosten, auch wenn man an sich nicht so sehr auf die süßen Sachen steht.

Das alles lässt sich nun auch in WIEN erleben. Denn es gibt sie doch, die Manufaktur! Nachzulesen in der aktuellen Presse am Sonntag: Einen Sänger und seine Juristin hatte der Besuch in einer alten Zuckerlfabrik derart begeistert, dass sie ihre Berufe aufgaben und vor kurzem im ältesten Hochhaus Wiens in der Herrengasse ihre »Snoepjes Bonbonmanufaktur« aufmachten. Ebenerdig, damit man sich erst die Nase an den Auslagen plattdrücken und dann eintreten kann, um die wunderlichen Dinge in natura zu erleben.

Zweimal am Tag werden die Zuckerstränge gerollt und gezogen und schlussendlich in Stücke geschnitten. Und diese sehen dann genauso aus wie geplant. Aber wie zum Himmel kriegt man das hin, aus einer dicken Wurst gleichmäßige Grapefruit-Querschnitte oder perfekte Herzerl in die Mitte? Der Sänger und die Juristin wissen es und können hoffentlich bald gut davon leben. Beim Stöbern auf der Website von Snoepjes (holländisch für Süßes) bin ich übrigens auch dort auf einen Film vom Zuckerlmachen gestoßen. Anschauen!

snoepjes.at
syl
Mein kleiner Tribute to Nelson Mandela Freitag 2013-12-13
Ich hätte sehr gerne zumindest einen Teil der Trauerfeierlichkeiten für Nelson Mandela verfolgt. Leider war es nicht möglich. Nun habe ich heute Asimbonanga auf Facebook entdeckt, gesungen als Flashmob bei Woolworths in Soveto. Gänsehaut. Erstaunterweise konnte ich das Lied in - ich denke - isiXhosa mitsingen.
Und war plötzlich viele Jahre zurück bei Johnny Clegg, der dieses Lied für Mandela geschrieben und 1987 veröffentlicht hat. 1999 hat Mandela auf Cleggs Bühne dazu getanzt. Schön, wie Clegg sich freut, den großen Mann bei sich zu haben. Und dann ging ich noch einmal neun Jahre zurück.
Zurück bis 1990 ins Wembley Stadion, wo ich Nelson Mandela live erleben durfte. Acht Minuten Standing Ovations für ihn, seine Rede während des Megakonzerts »An International Tribute for a Free South Africa«. Und sie waren alle da: Peter Gabriel, Lou Reed, Jackson Brown, Simply Mind, Johnny Clegg und noch viele andere.
Nelson Mandela im Wembley Stadion
Unvergesslich. Unvergesslich auch der grauslichste Hotdog meines Lebens, den ich - nicht - gegessen hab. Aber das nur als kleine Randbemerkung. Ich werde mir wohl wieder eine Johnny-Clegg-CD besorgen, die alten Musikkassetten bleiben verschollen. December African Rain! Remember the good times!
syl
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